Beiträge zum Thema: Oolong

Reise in die Teewelt


Veröffentlicht am von

Verlängerte Ziehzeit?

Gesamten Beitrag lesen: Verlängerte Ziehzeit?

 

Für den Geschmack des Tees wissen wir alle, dass neben Wasserqualität und Temperatur die Rolle der Ziehzeit extrem entscheidend ist. Aber entspannt sollte man trotzdem bleiben. :)

Gestern hatte ich einen Lao Cong Shui Xian in der Tasse. Es war nicht wirklich eine Tea Session, wo ich meditiere. Aber ich hatte Lust diesen Tee in etwas höherer Dosierung (Wasser : Tee = 65ml : 7g) zu probieren. So habe ich mich hingesetzt, Wasser auf dem Gasstövchen gekocht und versuchte mich zu konzentrieren. Mein Kopf war leider zu aktiv und die Gedenken kreisten. Es war einfach nicht möglich abzuschalten. Trotzdem habe ich den Tee brav 7 Mal aufgegossen und der Tee hatte kein Problem durchzuhalten. Das Geschmackerlebnis war durchgängig gut und sein gerösteter Charakter war angenehm, süßlich und sehr geschmeidig, aber der entscheidende WOW-Effekt, weshalb ich mich damals entschieden hatte, fehlte. Der Tee war etwas zurückhaltend. Man hatte ein Gefühl, dass noch etwas hinter der Fassade schlummerte. Obwohl ich schon bei 7 Aufgüssen war, habe ich trotzdem das Wasser für den 8. eingegossen und den Tee während meiner Mittagzeit ziehen lassen.

Ich habe etwa 1 Stunden Mittagpause gemacht. Eine verlängere Ziehzeit mache ich gerne, einfach um den letzten Tropfen zu gewinnen. Ich finde es immer so Schade, jedes Mal die aufgegossenen Teeblätter wegzuschmeißen, egal wie viele Aufgüsse ich davon schon getrunken habe.

Naja... zurück zu meinem "letzte Aufguss". Ich kam zurück, habe den Tee ohne große Erwartung in die Tasse gegossen, dann einen kleinen Schluck. Wie gewöhnlich schloss ich meine Augen und versuchte diesen Tropfen mit voller "Konzentration" zu schmecken und vielleicht in Erinnerung zu prägen.

Dann... wow.. nein.. war jemand da und hat meinen Tee gewechselt? Nein, es kann einfach nicht sein, weil ich die einzige im Haus war. Der Tee hat sich total verändert, transformiert. Die Tasse war süß nach Rosinen, blumig, gereift, Rosenwein... JA!! Genau... das war der Grund wieso ich mich in diesen Tee verliebt hatte.

Danach hatte ich noch mindestens 4 oder 5 weitere Aufgüsse, jeweils mit einer sehr langen (über 20 Min oder länger) Ziehzeit. Und jedes Mal kam der Effekt wieder. Bis zu dem letzten Aufguss hatte ich immer noch das Gefühl, dass ich noch einen weiteren haben könnte. ;)

LaoCong-ShuiXian-Blog-3

Ich glaube der Grund dafür war,  dass nach 7 Aufgüssen der Tee schon komplett "ausgewaschen" war. Alles was raffiniert war, konnte endlich ans Licht kommen. Da die Aufgüsse länger wurden, hatte ich die Temperatur stark reduziert. Aromen sind sehr von der Temperatur abhängig und viele feinere zeigen sie sich nur in dem kälterem Temperaturbereich.

Es lohnt sich mit den Ziehzeiten selbst zu experimentieren.

Heute habe ich dieser Lao Cong Shui Xian noch einmal in die Tasse gegossen und detailierte Notizen gemacht. Aber eines sollte man nicht vergessen; die Empfindung des Geschmacks variert von Mensch zu Mensch. Daher sollte man nicht versuchen, den Geschmack den ich beschrieben habe in gleicher Intesivität zu suchen. Mit einem offenen Herzen der Tasse Tee zu begegnen ist der beste Weg um den Tee zu genießen und erleben zu können.

Noch ein Hinweis, man sollte sich Zeit lassen. Den Abstand zwischen Aufgüsse ist wichtig um den Nachgeschmack entfalten zu lassen und wahrzunehmen.

Lao Cong Shui Xian: 7g / 65ml
1. Aufguss - erwärmen
2. Aufguss - 30" / 95°C
3. Aufguss - 1' / 95°C
4. Aufguss - 1' / 95°C
5. Aufguss - 3'30" / 95°C
6. Aufguss - 4'30" / 95°C
7. Aufguss - 6' / 90°C
8. Aufguss - 20' / 90°C (danach lassen Sie den Tee so lang Sie Zeit haben, einfach entspannen und die Zeit vergessen)

Viel Spaß!!!!

Gesamten Beitrag lesen
Veröffentlicht am von

Das Geheimnis des Wuyi Tees / Felsen-Tees / Yan Cha

Gesamten Beitrag lesen: Das Geheimnis des Wuyi Tees / Felsen-Tees / Yan Cha

Wie die Überschrift schon vermuten lässt, gibt es keinen eindeutigen Begriff für diese Teegruppe. Vielmehr ist es eine Ansammlung von Begriffen und so ist mittlerweile Wuyi-Tee, Steintee, Felsen-Tee, Rock Tea oder auch Yan Cha kein Fremdwort mehr für Teeliebhaber. Das gleicht gilt für die Assoziation seines Herkunftgebietes, über das es zahlreiche Bilder dieser malerischen Gegend im Internet gibt. Jeder der Felsen-Tee gehört hat, kennt sicherlich auch Da Hong Pao - das Markenzeichen des Felsen-Tees. Die Legende über diesen Tee? So glaube ich, ist auch nicht mehr neu für alle Felsen-Tee Liebhaber. Also was kann man von diesem Artikel erwarten? Wieso setze ich mich mit einem Thema auseinander, was anscheinend schon ziemlich weit verbreitet ist? Eine gute Frage.

Egal ob man Felsen-Tees kennt, verkostet hat oder nicht: man kann durch die Vielzahl an Informationen und Angeboten leicht die Orientierung verlieren. Zum Beispiel gibt es viele verschiedene Varianten von Da Hong Pao. Alleine bei der Kunst des Tees gibt es schon drei unterschiedliche. Im Vergleich zu anderen ist es nur ein sehr kleines Sortiment. Da Hong Pao ist nicht der einzige Tee aus Wuyi oder in diese Kategorie einzuordneten Tees. Sicherlich aber einer der meist gehörten Namen aus diesem Gebiet oder der Felsen-Tee-Kategorie. Daher versuche ich in das Konzept der Wuyi-Tees etwas mehr Klarheit zu schaffen.

 

Wo ist der Ursprung des Wuyi-Tees?Wuyi_Pic-5

Wuchs Tee schon immer im Wuyi Gebiet oder hat jemand Teesträucher explizit dort angepflanzt? Theorien über den Ursprung des Tees gibt es viele. Bis jetzt streiten immer noch Wissenschaftler über den ultimativen Ursprungsort: Yunnan oder Assam. Könnte es auch sein, dass es mehr als einen Ursprungsort gibt? Zahlreiche Beweise zeugen von einer Zivilisierung der Region vor ca. 4000 Jahren. Eindeutige Beweise bieten z.B. die Hängenden Särge aus der Zeit der Streitenden Reiche um 300 v. Chr., die es immer noch heute an mehreren Orten in Wuyishan zu sehen gibt. Und wie sah es genau mit dem Tee aus?

Im 17. Jahrhundert ordnete der schwedische Naturforscher, Carl von Linné, Tees aus China in zwei Kategorien ein. Die großblättrigen Teebäume als Mutant aus Yunnan und die kleinblättrigen Teebäume als Mutant aus Wuyi. So ist seiner Meinung nach Wuyi der Ursprungsort für Teebäume mit kleineren Blättern, wie Jin Jun Mei (Schwarztee aus Wuyi) oder Grüntee Variationen, wie Longjing. 

 

Also was bedeutet das Gebiet Wuyi für unsere Teekultur?

Wie bei vielen Dingen gab es natürlich auch viele Höhen und Tiefen in der Geschichte des Wuyi-Tees. Tee wurde schon in der Tang Dynastie hergestellt und zwar nicht mehr nur als Kräuter oder Medizin Tee, sondern auch für den Genuss. Damals sah Tee ganz anders aus und Oolong hatte das Tageslicht der Welt noch nicht entdeckt. Es gab weder Oxidierung / Fermentierung noch „Kill Green“. Die gepflückten Teeknospen wurden sofort in die Formen gefüllt, bedampft und danach über Feuer getrocknet. Zum Servieren wurde der Tee in Stücke gebrochen, zermahlt und in kochendem Wasser gekocht. Es war mehr ein dicker Brei als Tee und wurd daher auch als „Brei Tee“ bezeichnet. Wachs-Tee war eine andere Name für diesen Tee und vielleicht heute schwer vorstellbar, wurde dieser sehr von Beamten und Adligen geschätzt. 

Richtig bekannt wurde das Wuyi-Tee-Gebiet erst in der Song Dynastie. Ein Literaturstück aus dieser Zeit „Eine kurze Abhandlung über Tee 大觀茶論“ - geschrieben vom Kaiser Song Hui Zong 宋徽宗 - machte Tee aus Wuyi extrem populär. Nicht nur das, der Tee wurde auch in hunderten von Gedichten genannt und gelobt. Zwar ist immer noch nicht der Tee, den wir heutzutage kennen, aber der hoch gelobte Ruf über dieses Anbaugebiet mit seinen wunderschönen Landschaften, der hohen Kunst seiner Herstellung und dem verweilenden Geschmack des Tees ist geblieben. Und diese m Teil äußeren Umstände sind schwer zu ersetzen, um den gleichen Tee an einem anderen Ort herzustellen.  Dragon_Pheonix_Tuan_Cha-1

In der Song Dynastie war auch die Blühzeit der Teekultur. Der bekannteste Teegarten von damals hieß „Beiyuan (北苑)“ und war besonders beliebt bei der Königsfamilie. Daher produzierte dieser Teegarten ausschließlich nur für die Königsfamilie. Der Tee hatte schon damals viele Namen: Beiyuan Tribut Tee 北苑贡茶 (nach dem Teegarten), Jian Cha 建茶 (nach dem Gebiet) und Drachen/Phönix Tuan Cha 龍鳳团茶 (nach seiner Herstellungsart und Form).

Die Herstellung dieses Tuan Cha (团茶) war extrem kompliziert. Nur die jüngsten Teeblättersknospen wurden gepflügt, nach Standard sortiert und genau die selben Größe haben. Sie waren so zart, dass man sie sogar im Wasser frischhalten musste um der Austrocknung vor dem nächsten Schritt vorzubeugen. Dann wurde die frische Teeblättersknospen in eine Phönix Dou Cha in Song Dynastie oder Drachen-Motiv-Form gefüllt und gedampft. Die Feuchtigkeit wurde anschliessend über ganz schwachem Feuer entfernt. Diese Tee-Plätzchen (unter 7,6 cm groß) wurden gewachst um die Frische und das Aroma zu erhalten. Abschliessend wurden sie in dünnes Papier eingepackt. Dieser Tee war so hochwertig, dass selbst hohe Beamte je nach Beliebtheit beim Kaiser höchstens eines dieser Tee-Plätzchen im Jahr erhielten. 

Zum Servieren wurde das Plätzchen gebrochen, zermahlt, song_tee_zeremonie_geschirr_1durchgesiebt, geschlagen und serviert. Dieser Servierart nennt sich Dòu chá (斗茶). Sie hatte sich zu einer Mode während dieser Zeit entwickelt und war so weit verbreitet, dass man sogar überall auf der Straße Tee-Wettkämpfe sehen konnte. Diese Tee Kultur ist zwar nicht mehr groß in Mode in China. Aber dank des Buddhismus brachte während der Song Dynastie ein japanischer Mönch namens Eisai auf seinem Besuch in China diese Methode zurück in seine Heimat. Dort wurde diese Teekultur mit der Verbindung zu Zen weiter verfeinert und zur Teezeremonie entwickelt und praktiziert.

So lässt sich die sehr wichtige Rolle von Wuyi in der Teekultur und Geschichte einordnen.

 

Bis jetzt fragen Sie bestimmt: Was hat das eigentlich mit dem Felsen-Tee zu tun, den wir heutzutage kennen? Wann kommt dieser eigentlich ins Spiel?

Obwohl die Geschichte des Teegenuss in China (ab 220 n. Chr.) schon knapp 1800 Jahre alt ist, erscheinen die sechs großen Tee-Kategorien aber erst zwischen 1368 und 1700 während der Ming und Qing Dynastie. Oolong bzw. Wulong hat sogar die jüngsten Geschichte und wurde erst ca. 1725 in Fujian erfunden. Oolong bzw. Wulong bedeutet im chinesischen „Schwarzer Drache“ und passt zur Beschreibung der Form des Wuyi Oolongs oder Felsen-Tees.

Die Legende über Da Hong Pao haben Sie wahrscheinlich schon aus verschiedenen Quellen gelesen, daher möchte ich sie hier auch nicht mehr im Detail wiederholen. Daher lege ich meinen Fokus auf das Konzept der Felsen-Tees und Da Hong Pao, um dieses  besser verstehen zu können.

 

Was meine ich mit dem Konzept des Felsen-Tees und Da Hong Pao?

Wuyi_Pic-2Als erstes möchte ich den Begriff Felsen-Tee (in Pinyin - Yan Cha) erklären. In Chinesisch, „酽“ und „岩“ haben einen sehr ähnlichen Klang - Yan. Die beiden Wörter haben aber eine komplett unterschiedliche Bedeutungen. „酽“ ist ein Adjektiv - stark, konzentriert, kräftig, intensiv und schwer. „岩“ ist ein Substantiv - Felsen. Obwohl die beiden ganz anders sind, passen sie aber sehr gut zu der Beschreibung dieses Oolong-Tees.

Heutzutage wird er nur noch Felsen-Tee (岩茶) genannt, weil es einfacher zu assoziieren ist, und natürlich auch leichter zu merken und zu schreiben ist. Wenn man aber von Felsen-Tee redet, sollte man auch die Teesträucher meinen, die zwischen den Felsen wachsen.

Es gibt zwei Gebiete in Wuyi:

  1. 1. Wuyi Felsen Gebiet ca. 70km2 (innerhalb der Naturschutzgebietes und UNESCO Weltkulturerbe);
  2. 2. Außerhalb des Naturschutzgebietes, aber innerhalb des Wuyi-Gebietes.

Des Weiteren wird nach der Lage der Teegärten, bei denen es drei Kategorien von Wuyi-Oolong Tees gibt, unterschieden:

  1. 1. Zhèng yán (正岩) - zwischen oder auf den Felsen innerhalb des Naturschutzgebietes (höchste Qualität)
  2. 2. Bàn yán (半岩) - zwischen oder auf den Felsen außerhalb des Naturschutzgebietes (zählt zu Felsen-Tees)
  3. 3. Zhōu chá (洲茶) - auf den Feldern (keine Felsen) innerhalb des Wuyi-Gebietes (kein Felsen-Tee)

Ist es inzwischen ein wenig klarer geworden oder die komplette Verwirrung zum Da Hong Pao entstanden?

(Ich hoffe, sind Sie jetzt ein Bisschen klarer im Kopf. )

 

Also, was ist Da Hong Pao? Wie schon erwähnt gibt es verschiedene Da Hong Pao Sorten und mehrere Bedeutungen. Deswegen sollte man die Beschreibungen der jeweiligen Tees vorsichtig lesen. So unterscheidet man bei Da Hong Pao im Allgemeinen vier große Merkmale:

  1. Die Mutterpflanzen von Da Hong Pao Da Hong Pao Mother Trees (image von http://images.google.de/imgres?imgurl=http%3A%2F%2Fmisc.home.news.cn%2Fpublic%2Fimages%2Foriginal%2F00%2F12%2F29%2FDA%2FDA.jpg&imgrefurl=http%3A%2F%2Fbj1h.home.news.cn%2Fblog%2Fa%2F0101000000320340EA922212.html&h=532&w=800&tbnid=XWL_yX1zbsKwGM%3A&docid=rcG2tLrOJ16H5M&ei=11F5Vt6_KoGbsgGG6onwCA&tbm=isch&iact=rc&uact=3&dur=4646&page=3&start=39&ndsp=22&ved=0ahUKEwieh8aIy-_JAhWBjSwKHQZ1Ao4QrQMI0QEwOQ)sind sechs Teesträucher (zwei davon sind durch asexuellen Pflanzenvermehrung geboren und nachgepflanzt worden) die auf dem Felsen in Jiǔlóng Kē 九龙窠 wachsen. Die Original-Sträucher sind von Samen gewachsen und daher sind sie auch nicht identisch. Nicht nur die Blätter, sondern die Blühzeiten von diesen vier Teesträuchern sind auch unterschiedlich. Mittlerweile sind sie schon über 350 Jahre alt und seit 2000 sind sie geschützt (Fujian Wuyi Berg Weltkultur- und Naturerbe-Schutzverordnung). Am 03.05.2005 war die letzte Pflückung. 20g davon waren ein Geschenk der Stadt Wuyishan an das Nationale Museum Chinas. Seit 2006 ist die Pflückung von diesen sechs Mutterpflanzen komplett verboten. Das Kultivar der beiden nachgepflanzten Da Hong Pao Sträucher nennt man Běidǒu, weil sie ursprünglich auf dem Běidǒu Fels in Jiǔlóng Kē gewachsen sind. So ist auch dieser Tee-Name - Beidou 北斗 - entstanden.
  2. Reiner Da Hong Pao - laut meinen Quellen gibt es drei Züchtungen, die zu den reinen Da Hong Pao gehören: Qidan 奇丹, Què shé 雀舌 und Beidou 北斗. Reine Da Hong Pao beziehen sich bei der Züchtung auf eine direkt durch asexuelle Pflanzenvermehrung von den Mutterpflanzen von Jiǔlóng Kē gewonnen werden.
  • Qidan 奇丹 - Nach verschiedenen Quellen wurde dieser Tee in 1385 (auch) als Da Hong Pao (Große Rote Robe) geführt. Die Namensumbennung führt auf eine Legende zurück. Der Prüfungskandidat Ding erlitt auf seiner Reise einen Hitzschlag und die Mönche von Tian Xin Tempel retteten ihn mit diesem Tee sein Leben. Nachdem er seine Prüfung bestand, besuchte er den Tempel auf seinem Rückweg. Um Danke zu sagen, wickelte er seine Rote Robe um die Teebäume auf dem Felsen und so enstand der Name für diesen Tee. Jedoch existierten diese Teebäume schon vor dieser Zeit und der Tempel auch. Qidan war der ursprüngliche Name dieser Teebäume. Er beruht auf einer Beobachtung der Mönche bei Sonnenuntergang. Durch die Felsen sahen sie die Teebäume auf den Felsen wachsen, das rötliche Sonnenlicht brachte die schon etwas rötlichen Felsen noch besser hervor und die frischen Teeblätter-Knospen leuchteten in Lila-rot. Dieses überraschende wunderschöne Bild inspirierte die Mönche und so haben sie diese Teebäume Qi (奇): überraschen; Dan (丹): Rot - Qidan genannt. 
  • Queshe 雀舌 - die direkte Übersetzung auf Deutsch ist Spatzenzunge. Dieser Begriff ist kein fremdes Wort in der höchsten chinesischen Qualitäts-Stufe. In dem Fall der Wuyi Tees ist Queshe allerdings ein Name für die Teesträucher und die aus diesen Sträuchern resultierenden Züchtungen. Laut meiner Quelle wurde diese Züchtung in der 80er Jahren erfolgreich von einen der sechs ursprünglichen Da Hong Pao Mutterpflanzen geklont. Weil die Blätter von dieser Mutterpflanze im Vergleich zu den anderen fünf deutlich kleiner und raffinierter geformt waren, hat man damals den Namen “Queshe” gewählt. Queshe Teesträucher haben nicht nur eine niedrigere Produktivität,  sondern werden auch sehr limitiert angebaut und der Tee dieser Sträucher gehört somit zu den teueren Raritäten.
  • Beidou 北斗 - für diesen wunderbaren Tee müssen wir uns bei Yao Yue Ming 姚月明 bedanken. Zwischen 1953 und 1955 besuchte Yao den Wuyi Tee-Experten Wu Jue Nong. Wu entdeckte einen anderen Da Hong Pao auf dem Běidǒu Felsen und schnitt zwei Stiele ab um sie in den Teegarten des Tee-Institutes zu stecken; leider ohne Erfolg. Nach ein paar Jahren schaffte es aber Yao endlich die Züchtung zu klonen. Um Wu ein Gedenken zu setzen, nannte Yao diese Züchtung Beidou. Leider war dieses Experiment nicht autorisiert und so konnte er sein Ergebnis nicht veröffentlich. Auch wegen der Kultur Revolution musste er diesen Plan bis Anfang der 80er verzögern. Aber diesmal konnte er seinen Erfolg veröffentlichen.
  1. Da Hong Pao Mischungen erscheinen wegen des Da Hong Pao‘s Geschmack und Ruf auch auf dem Markt. Die Produktion des reinen Da Hong Pao bleibt trotz der Züchtungserfolge auf Grund der Anbaufläche sehr limitiert. Und so ist Chen De Hua (陈德华)  ein weiterer wichtiger Name in der Wuyi-Tee-Geschichte. Chen ist ein sehr ruhiger aber kluger Mann. Er hatte nicht nur die Vision, sondern auch den Markt sehr gut studiert. Für viele Tee-Trinker in China ist der Ruf der Produkte und die Verpackung sehr wichtig. Sie geben aber auch weniger Achtung auf den Inhalt der Produkte, vielleicht haben sie auch weniger Kenntnisse darüber und daher ist es ihnen weniger wichtig, ob der Tee tatsächlich von den Mutterpflanzen stammt oder nicht. Da es über hunderte verschiedene Teepflanzen-Sorten im Wuyishan Gebiet gibt, hatte er die brillante Idee verschiedene Tee-Sorten zu mischen und die Geschmacksrichtungen und Charaktereigenschaften des Da Hong Pao nach zu ahnen. Diese Idee führte zu einem großen Erfolg. Zwar sollen diese Mischungen den National Wuyi Felsen-Tee Standard (GB/T18745-2006) verfolgen, aber jeder Teeverkäufer oder Bauer hat immer noch seine Freiheit eigene Mischungen herzustellen.
  2. Da Hong Pao als Marktzeichen für Wuyi Tee - ein generelle Begriff / Name für alle Tees die aus dem Wuyishan Gebiet stammen.

 

Fazit

Wie zeichnet sich also ein guter Da Hong Pao oder Felsen-Tee aus? Wichtig ist ein aufmerksames Auge und ein Verständnis, das Namen gerne freizügig vergeben werden, ohne das man sich der genauen Geschichte des Tees und dessen wirklichen Ursprungs sicher sein kann. So vielfältig das Anbaugebiet in Region um Wuyi ist, genauso vielfältig ist seine Herkunft oder es handelt sich gar um eine Mischung, wie die letzten Absätze gezeigt haben. Persönlich würde ich mir wünschen, dass es zu noch viel klareren Abgrenzungen der Namensverwendung und genauen Bezeichnung von Tees gibt. Ein Champagner ist eben nur dann als Champagner seinen Namens Wert, wenn dieser Schaumwein aus der Region Champagne stammt und bestimmten Regeln beim Anbau und Kelterei eingehalten werden. Aber bis dieses für die Welt des Tees gilt, ist sicherlich noch ein weiter Weg und so hoffe ich mit meinen Informationen ein bisschen Klarheit zu der Welt des Wuyi-Tees / Felsen-Tees beigetragen zu haben.

Zum guten Schluss, was macht eine Tasse guten Tee wirklich aus? Was einem am besten schmeckt. Also wünsche ich viel Spaß beim Teegenuß und viele gemütlichen Teezeiten.

 

Bild: Da Hong Pao Mutterpflanze in Jiulong Ke (Quelle: http://bj1h.home.news.cn/blog/a/0101000000320340EA922212.html)

Gesamten Beitrag lesen