Alice im Wunderland - die Suche nach Naturquell...

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Alice im Wunderland - die Suche nach Naturquellen für Tee

Alice im Wunderland - die Suche nach Naturquellen für Tee

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Bei einem „Spaziergang“ durch die Welt des Tees fühle ich mich wie Alice im Wunderland. Denn das Wissen rund um Tee, ist einfach viel zu vielseitig. Bei der Entdeckung findet man fast in jedem Winkel Spaß daran, obwohl man es nie weiß, wo man als nächstes landet und ist freudig gespannt.

Das Wasser ist für Teeliebhaber einer der entscheidenden Faktoren für den Geschmack des Tees. Oft sprechen wir auch von der Lebendigkeit des Wassers, welche eventuell einen direkten Einfluss auf den Tee nimmt. Was bedeutet dies eigentlich? Nach meiner Vermutung handelt es sich bei der Lebendigkeit um den Sauerstoffgehalt im Wasser. Denn meinem Verständnis nach spielt Sauerstoff eine extrem wichtige Rolle für das Schmecken. Zwischen 75% und 95% unserer Geschmackswahrnehmung kommt nämlich durchs riechen. Deshalb schlurft man auch ein wenig um denTee mit Sauerstoff zu mischen und so seine Aromen besser zu entfalten. Daher soll man das Wasser nicht zu oft oder zu lang kochen lassen, da sonst die Lebendigkeit des Wassers sinkt. D.h., durch kochen verliert das Wasser Sauerstoff, welcher natürlich einen Einfluss auf die Entfaltung des Geschmacks hat.

Geschichtlich betrachtet, gab Lu Yu eine sehr allgemeine Regel für die Wasserqualität:  "山水上;江水次;井水下。". Übersetzt: das beste Wasser kommt aus den Bergen; gefolgt von Fluss-Wasser und auf Platz drei ist Wasser aus Brunnen. Ich finde, es gibt noch viel mehr Faktoren, welche den Geschmack des Wassers und somit des Tees beeinflussen können.

Es wird jedem klar sein, dass die Lage der Quelle äußerst wichtig ist. Aber ob man diese allgemeine Regel überall einsetzen kann oder nicht, habe ich ein paar Quellen aus verschiedenen Gebieten und Lagen ausprobiert. Hier ist der Bericht über meine persönlichen Erfahrungen und Vermutungen, woher gewisse Unterschiede kommen können.

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Wasserproben

Zapfstelle in Vogelsberg neben einem Privatweg mit einer Seite Wald und auf der anderen ein Feld
Bach im Odenwald entspringt zwischen Steinen mitten im Wald und das Wasser fließt ganz ruhig aus dem Wasserloch als Bach in Tal (fern von Straßen)
Wolfsbrunnen Odenwald vermutlich das gleiche Quellgebiet wie der Erlenbrunnen, allerdings ist der Wolfsbrunnen etwas höher im Mischwald an einem Forstweg gelegen
Erlenbrunnen Odenwald vermutlich das gleiche Quellgebiet wie der Wolfsbrunnen, allerdings im Tal gelegen, nahe einer Straße und nur durch Bäume (ca. 15m Zwischenraum)

 

Test-Setup

Da ich entweder ein Labor oder technisches Equipment besitze, versuchte ich trotzdem meinen Test in einer weitestgehend kontrollierten Umgebung zu praktizieren.

Im Wald hatte ich schon mit Formosa #18 angefangen und so habe ich diesen Tee auch als Testobjekt genommen.

 

Geschirr

Zum Wasserkochen Zur Verkostung
Tonkanne
Gasstövchen
4x Gaiwan aus Porzellan (80mL)
4x Glas Krug
4x Teetasse aus Porzellan (hochformig) für Wasserverkostung  
4x Teetasse aus Porzellan für Teeverkostung

 

Ziel - Für diese Recherche habe ich zwei Ziele:

  1. Wie unterschiedlich schmeckt das Wasser aus verschiedene Brunnen und Quellgebieten?
  2. Wie geeignet sind diese Wasserproben für unseren Formosa #18 Ruby? (nur um einen ersten Eindruck zu bekommen)

 

Ablauf

Teil 1:

  • Zum kochen benutzte ich eine Tonkanne und Gasstövchen bis das Wasser richtig dampft. Danach wird das Wasser verkostet.
  • Das Wasser wird für ca. 7,5 Min abgekühlt und steht so bereits für die Teeverkostung im nächsten Teil meiner Untersuchung zur Verfügung.

Teil 2:

  • Hier habe ich den Formosa #18, um die Erlebnisse an der Quelle im Wald zu Hause fortzusetzen (oder auch nicht). 1g Tee wird in einem Porzellan Gaiwan mit 80mL abgekühltem Wasser für 1 Minute ziehen lassen. Da ich nur einen ersten Eindruck haben möchte, wurde der Tee nur zweimal aufgegossen. 

 

Ergebnisse

Quellwasser aus dem Vogelsberg:

Vogelsberg ist einer der größten natürlichen Wasserspeicher in Deutschland. Laut der Seite des „Naturpark Hoher Vogelsberg“ hat das Grundwasser aus diese Region eine ausgezeichnete Trinkwassersqualität. Man sollte eigentlich zahlreiche Naturquellen in diesem Gebiet finden, aber leider wurde es an diesem Tag nur eine Zapfstelle. Diese Zapfstelle war gut mit Auto erreichbar und liegt zwischen Wald und Feld.

Das Wasser hat einen neutralen Geschmack, zeigt keine Besonderheiten in seiner Textur ist aber weich und angenehm. Der Tee hat ein sehr balanciertes Geschmacksbild: minzig, malzig, intensiv süßlich mit einem schönen sahnigen Geschmack und duftet nach Orangenschale. Der Nachgeschmack ist angenehm und süßlich.

Bach im Wald (Odenwald):

Dieses „Wasserloch“ war etwas schwieriger zu erreichen. Wir wanderten entlang des Bach und mussten zum Teil klettern. Rundherum waren nur Bäume. Es war herrlich alleine in die Natur abzutauchen. Das Wasser war allerdings nicht ganz so einfach zu sammeln.

Das reine Wasser ist süß, weich, sehr neutral im Geschmack und sehr sehr erfrischend.

Es beflügelt den Formosa #18. Der Tee entfaltet sich prächtig. Dieser minzige, karamell-süße, cremige und blumige Duft breitete sich sofort in den Nasenhöhle aus. Im Gaumen entfaltet sich schichtweise ebenso ein Karamell-süßer weicher Geschmack. Dann kommt eine leicht minzige Schicht, welche von einem blumigen cremigen Aroma begleitet wird, um kurze Zeit später ein kühlendes Gefühl auf der Zungenspitze zu haben.Suche-nach-Teewasser-3

Wolfsbrunnen (Odenwald):

Es führt ein Forstweg an diesem Brunnen vorbei. Er liegt höher als die im Tal führende Straße und ist abgetrennt vom Wald, aber man kann trotzdem den Verkehr ab-und-an hören. Dort haben wir einen schmallen Tisch gefunden: minimalistisch idylisch, aber man kann eine kleine Teepause einlegen. Das Wasser schmeckt leicht mineralisch (nur ganz leicht), etwas härter als vom Bach zuvor, leicht erdig aber süßlich.

Das Erlebnis mit unserem Formosa #18 ist allerdings sehr interessant. Mit diesem Wasser haben wir einmal im Wald (vor Ort) und einmal zu Hause den selben Tee aufgegossen. Vor Ort schmeckte der Tee ausgezeichnet. Extreme blumig und weich, und der Hauch von Orangen war hypnotisierend. Dieses Geschmackserlebnis habe ich nach Wochen noch so klar und deutlich im Kopf.

Der Ergebnis zu Hause ist anders. Ich kann das Wasser nicht sofort verwenden. So vermute ich, dass das Wasser durch lagern seine Lebendigkeit verloren hat. Dieses hat daher einen Einfluss auf den Geschmack des Tees. Im Vergleich duftet der Tee nicht so extreme blumig oder minzig. Obwohl sein Aroma mich immer noch nachwievor an Orange-Schale erinnert und wunderschön blumig und angenehm malzig ist. Was mir noch aufgefallen ist, war die Änderung in seiner Textur. Er wirkt für mich förmiger / trockener; etwas im Gegensatz zu dem weichen Gefühl wie im Wald. Kann das sein, dass in der Natur unsere Sensoren etwas offener und es nicht nur an der Frische des Wassers liegt?

Erlenbrunnen (Odenwald):

Erlenbrunnen und Wolfsbrunnen könnten aus dem selben Quellgebiet stammen, den sie liegen dicht beieinander. Der Unterschied ist, Erlenbrunnen liegt im Tal und dichter an der Straße. Neben dem Brunnen ist ein Restplatz mit Sitzmöglichkeiten unterm Dach. Ein sehr schöner Ort für Wanderer oder Fahrradfahrer zum auffrischen. Es regnete als wir ankamen, daher konnten wir das Wasser nicht wirklich vor Ort verkosten. So haben wir es direkt in den Kanister gefüllt und sind nach Hause gefahren. Das Wasser schmeckt im Vergleich zum  Wolfsbrunnen etwas süßlicher und weicher. Vielleicht weil das Wasser ein paar mehr Gesteinsschichte durchflossen hat?

Der Tee schmeckt süßlich und blumig. Obwohl dieser magische Hauch von Orangen-Schale leicht geschwächt ist und die Geschmacksschichten weniger ausgeprägt sind, schmeckt der Tee eigentlich etwas weicher und cremiger. Wenn man den Vergleich nicht so vorgenommen hätte, wie in diesem Fall, hätte man wahrscheinlich diese feinen Unterschiede nicht gemerkt.

 

Fazit

Abschließend muss ich sagen, dass mir der Formosa #18 am Besten mit dem Wasser aus dem Bach im Odenwald geschmeckt hat. Natürlich lässt sich dies nicht verallgemeinern, da ich nur einen Tee mit den vier Quellen und ein paar Aufgüssen für einen ersten Eindruck getestet habe.
Außerdem merkte ich auch einen deutlichen Unterschied, wenn man das Wasser sofort frisch verwendet. Somit ist das beste Wasser für mich welches am frischesten ist.

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