Einführung in die Teezeremonie

Einführung in die Teezeremonie

 

Die chinesische Teezeremonie wird um genau zu sein Gong Fu Cha (Kung Fu Cha) genannt. "Gong Fu" oder “Kung Fu” meint in diesem Fall nicht den Kampfsport, den viele mit diesem Begriff verbinden. Es ist vielmehr die Perfektion gemeint, welche es durch Erfahrung und intensive Übung zu erreichen gilt. So hat jeder Teemeister seine persönlichen Vorlieben und seinen eigenen Stil, welcher mit der Philosophie und Kultur des Tees verbunden wird. Oberstes Ziel ist es, eine perfekte Tasse Tee zuzubereiten.

 

Grundlagen der chinesischen Teezeremonie

 

Atmosphäre

Für die Teezeremonie wird eine ruhige Umgebung bevorzugt, da sie eine bessere Konzentration auf die Teezubereitung und die Verkostung des Tees ermöglicht.

 

Geschirr (Basis-Ausstattung)

  • Wasserkocher
    Ideal sind zwei Wasserkocher: Einer um das “normale” Wasser zu kochen und ein kleinerer (ca. 500 ml oder kleiner), um das Wasser wieder auf die gewünschte Temperatur zu erwärmen.
  • Gaiwan oder Teekännchen
    Die am häufigsten genutzte Größe ist ca. 100 bis 160 ml.
  • Teetässchen (plus Riechbecher für die taiwanesische Art)
    Eine häufig genutzte Größe ist 25 bis 80 ml (je nach Teesorte).
  • Tee-Besteck
    Das sind Teelöffel, Teenadel, Teezange, Teespachtel, Teetrichter und Geschirrhalter. Der wichtigste Teil dieses Sets ist der Teelöffel, mit dem man die Teeblätter aus der Teedose entnehmen kann.
  • Pitcher, Krug oder Servier-Kanne
    Eine gleichmäßige Verteilung des Tees in jedes einzelne Teetässchen ist besonders wichtig. Denn nur dann stellt man sicher, dass jeder Gast ein von der Teebasis her gleichmäßiges Geschmackserlebnis hat.
  • Sieb und Siebständer
    Das Sieb stellt sicher, dass die kleinen Teeblätter nicht in die Tasse gelangen.
  • Teetuch
    Das Teetuch dient dazu, die “Umgebung” der Teezubereitung sauber zu halten. Alternativ reicht auch ein normales Trockentuch für den Anfang.
  • Teetisch
    Ein Teetisch ist ideal, um eine saubere und ordentliche Oberfläche zu schaffen und überschüssiges Wasser bei der Zubereitung des Tees aufzufangen. Zusätzlich bietet er auch eine ideale Plattform für die Präsentation des Teeservice.

 

Anleitung zur Teezeremonie (mit Gaiwan)

Wenn man Gäste hat oder für sich selbst Tee auf chinesische Art zubereitet, ist der Gaiwan eine gute Möglichkeit. Zusätzlich verwendet man einen “Teehalter”, um die trockenen Blätter nicht nur zu präsentieren sondern auch leichter in den Gaiwan umzufüllen. Der Teehalter ist einem kleinen Teller ähnlich, nur dass der linke und rechte Rand nach oben gerollt sind, und somit die eben beschriebene Trichterfunktion erfüllen kann.

Schritt 1:
Das Wasser zum Kochen bringen.
Je nach Region kann das Wasser zu “hart” für Tee sein und somit einen negativen Effekt auf den Geschmack ausüben. Daher empfehlen wir in solchen Fällen das Wasser zu filtern oder beim Wasser kochen einen Papierfilter hinzuzugeben, welcher das Wasser „enthärtet“.

Schritt 2:
Die Teeblätter mit dem Teelöffel aus der Teedose nehmen und in einen Teehalter umfüllen. So lassen sich die Blätter bewundern und man kann ihren Duft genießen.

Schritt 3:
Den Gaiwan, die Teeschälchen und den Krug mit kochendem Wasser erwärmen.

Schritt 4:
Die Teeblätter nehmen und die gewünschte Menge in den vorgewärmten Gaiwan füllen. So können die Gäste die Blätter nochmals riechen. Das Aroma wird durch die Wärme und den Dampf intensiviert.

Schritt 5:
Zu Beginn gibt man das kochende Wasser über die Teeblätter, um es sofort wieder abzugießen. Dieser Prozess ist besonders aus den folgenden Gründen wichtig:

  • Oolong-Tee: So öffnen sich die fest gerollten Blätter für einen besseren Genuss.
  • Puer (Pu Erh) oder andere (lang) gelagerte Tees: Zum Reinigen und Entfernen von ungewünschten Gerüchen oder Geschmack, welche durch Lagerung entstehen können.

Wenn der Tee schon sehr “alt” ist, kann man diesen Prozess bis zu 3 Mal wiederholen. Falsch gelagerter Tee kann dadurch sogar eventuell gerettet werden.

Bei grünem, weißem oder „tippy“ Tee ist dieser Prozess optional und nur mit Vorsicht zu verwenden, denn

  1. das meiste Aroma und der beste Geschmack ist schon in dem ersten und zweiten Aufguss enthalten.
  2. die Teeblätter sind meist junge Triebe oder Blattknospen, so dass die hohe Wassertemperatur den delikaten und feinen Geschmack, das Aroma und die wertvolle Inhaltsstoffe zerstören kann.

Schritt 6:
Das „Abwasser“ kann man zum Erwärmen der Schälchen nutzen und auch so lange drin lassen bis der trinkfertige Tee bereit ist (Schritt 9).

Schritt 7:
Die Teeblätter mit der passenden Wassertemperatur für seinen Tee aufgießen, den Gaiwan mit seinem Deckel schließen und ihn ziehen lassen.

Für Einsteiger kann eine Tee-Uhr hilfreich sein, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Denn meistens hat der erste Aufguss nur eine kurze Ziehzeit von 15 bis 30 Sekunden. Geübte Teetrinker können den Deckel leicht geneigt auf den Gaiwan legen, so dass der Tee am Rand zu sehen ist. Anhand der Farbe des Tees kann man auch den idealen Zeitpunkt zum Servieren erkennen.

Schritt 8:
Tee servieren:

  • Den Tee durch ein Sieb in den Servierkrug gießen. Aus dem Krug serviert man den Tee dann in die Teeschälchen. So stellt man sicher, dass jedes Schälchen geschmacklich identisch ist und auch eine gleichmäßige Temperatur hat.
  • Alternativ kannt man den Tee auch direkt aus dem Gaiwan servieren, allerdings sollte man die Teeschälchen hierbei nicht nacheinander voll gießen, sondern die verschiedenen „Level“ im Gaiwan auf die Schälchen aufteilen (bei der Alternative bitte erst Schritt 9 ausführen und Schritt 10 beachten).

Schritt 9:
Die Teeschälchen mit (oder auch ohne) Teezange nehmen und das „Abwasser“ aus dem ersten Aufguss entsorgen.

Schritt 10:
Den Tee nur bis zu 2/3 des Fassungsvermögens der Schälchen eingießen, damit es nicht zu heiß für die Finger und Lippen wird.

Schritt 11:
Die Schälchen mit oder ohne Teezange hoch nehmen, den Boden auf dem Teetuch abtrocknen, bevor sie auf eine Untertasse gestellt werden, um sie den Gästen zu überreichen.

Schritt 12:
Die Verkostung des Tees erfolgt jetzt in drei Schritten:

  1. Die Farbe und das Aroma des Tees bewundern.
  2. Den Tee schlürfen und sich auf den Geschmack und Körper des Tees konzentrieren.
  3. Den inneren Boden des Schälchens riechen, welcher wunderbar Rückstande des Teearomas bietet. (Es funktioniert genauso wie bei einem Riechbecher.)

Für weitere Aufgüsse:

  • Benutzt man normalerweise einen zweiten Wasserkocher, um das Wasser wieder auf die gewünschte Temperatur zu bringen.
  • Temperatur und Ziehzeit variieren je nach Teesorte. Z.B. 15 bis 30 Sekunden zusätzliche Ziehzeit für jeden weiteren Aufguss. Am besten experimentiert man mit der Temperatur für verschiedene Tees.

Mit der Teekanne folgt man grundsätzlich der gleichen Prozedur wie oben beschrieben. Außer im Schritt 9: Hier wird das „Abwasser“ des ersten Aufgusses über die Teekanne gegossen, um die Temperatur zu halten und die Kanne von außen zu pflegen.

 

Gerne bieten wir auch Schulungen zu einer Teezeremonie an. Auf Anfrage auch in Ihrem Hause.